Zuzana Ruzickova · Lebensfuge “Wie Bachs Musik mir half zu überleben”

Wann:
28. Oktober 2020 um 19:00 – 20:30
2020-10-28T19:00:00+01:00
2020-10-28T20:30:00+01:00
Wo:
Hospitalhof Stuttgart
Büchsenstraße 33
Preis:
7,00
Kontakt:

Für mich erreicht die­se Musik immer die Tie­fen des Leids, doch dann ist da etwas Höheres als man selbst, etwas Höhe­res als der indi­vi­du­el­le Glau­be und als das indi­vi­du­el­le Leid. Irgend­wie spürt man in die­ser Musik immer die Anwe­sen­heit Got­tes.

Mit Andre­as Kel­ler, Inten­dant i. R. der Inter­na­tio­na­len Bach­aka­de­mie Stutt­gart, 1. Vor­sit­zen­der des „Zei­chen der Erin­ne­rung e.V.“

Die Cem­ba­lis­tin Zuzana Ruzick­o­va, in Stutt­gart bekannt auch durch die Inter­na­tio­na­le Bach­akademie, hat kurz vor Ihrem Tod 2017 ihre Auto­bio­gra­phie ver­öf­fent­licht, in der sie beschreibt, wie Bachs Musik ihr die Kraft gab, die Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger des Hit­ler-Regimes zu über­le­ben.

1927 in der Tsche­cho­slo­wa­kei in eine jüdi­sche, bür­ger­lich-wohl­ha­ben­de Fami­lie gebo­ren, zeig­te sich früh ihre musi­ka­li­sche Hoch-Bega­bung. Zur Zeit der Beset­zung durch Nazi-Deutsch­land wur­de sie 1942 mit ihrer Fami­lie nach The­re­si­en­stadt, spä­ter nach Ausch­witz depor­tiert, muss­te im KZ „Des­sau­er Ufer“ (Ham­burg / Neu­en­gam­me) Zwangs­arbeit leis­ten und kam zuletzt in das Lager Ber­gen-Bel­sen (Wenn Ausch­witz die Höl­le war, dann war Ber­gen-Bel­sen der dun­kels­te, abgrün­digste Ort der Höl­le. Die Höl­le aller Höl­len). Von ihrer Fami­lie über­leb­ten nur sie – gemäß eige­ner Aus­sa­ge dank Fre­dy Hirsch – und ihre Mut­ter die­se Zeit. Ihr Vater und ihre Groß­el­tern star­ben in The­re­si­en­stadt.

In den Fol­ge­jah­ren mach­te dann der Sozia­lis­mus ihr und ihrem Mann, dem tsche­chi­schen Kom-po­­nis­ten Vik­tor Kala­bis, das Dasein zur Höl­le. Ihre Kar­rie­re begann in der CSSR, der Durch­bruch folg­te in Mün­chen 1956 mit dem Preis beim ARD-Musik­wett­be­werb, auf einem damals noch exo­ti­schen Instru­ment, dem Cem­ba­lo. Danach folg­te eine inter­na­tio­na­le Kar­rie­re als Solis­tin, Duo-Part­ne­rin und Dozen­tin.

In Stutt­gart musi­zier­te und lehr­te sie erst­mals 1979 bei der 1. Som­mer­aka­de­mie und danach regel­mä­ßig. Durch ihr Enga­ge­ment wur­de 1987 eine ers­te „Bach­aka­de­mie Prag“ mög­lich. Jahr­zehn­te war sie für die Neue Bach-Gesell­schaft tätig. Als in den letz­ten Lebens­jah­ren eine Krebs­er­kran­kung das Kon­zer­tie­ren unmög­lich mach­te, berich­te­te sie uner­müd­lich in Schu­len, Uni­ver­si­tä­ten etc. als Zeit­zeu­gin von den Schre­ckens­jah­ren des National­sozialismus und wand­te sich welt­weit gegen den wie­der auf­flam­men­den Anti­se­mi­tis­mus.

Die Bio­gra­phie „Lebens­fu­ge“ berich­tet in zutiefst ergrei­fern­der Wei­se vom Leben die­ser außer­gewöhnlichen Per­sön­lich­keit, das Andre­as Kel­ler am 28.10. ver­su­chen wird, nach­zu­zeich­nen.

Mit Ton­bei­spie­len

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