Paula und Erich Hirsch

Pau­la Hirsch
* 16. Juli 1897 in Tübin­gen,
† 26. März 1942 in Riga

Erich Hirsch
* 7. Juni 1924 in Karls­ru­he,
† 26. März 1942 in Riga

Im Leben getrennt – im Tod vereint

Pau­la Hirsch und ihr sech­zehn­jäh­ri­ger Sohn Erich wer­den am 27. Novem­ber 1941 in Rei­chen­berg (Rems-Murr-Kreis) von der Poli­zei zum jüdi­schen Sam­mel­la­ger auf dem Stutt­gar­ter Kil­les­berg gebracht. Von dort aus wer­den bei­de am 1. Dezem­ber 1941 nach Riga depor­tiert.

Nach dem Tod ihres Vaters wohnt Pau­la Hirsch 1933 bei ihrem Bru­der Leo­pold in Tübin­gen, spä­ter kommt sie für eini­ge Mona­te bei ihrem Schwa­ger Lud­wig Bau­er in Stutt­gart unter. 1934 arbei­tet sie in Hei­del­berg als Pfle­ge­rin und lebt bis zu ihrer Depor­ta­ti­on in einem Land­heim für Frau­en und Mäd­chen in Rei­chen­berg, das zur »Evan­ge­li­schen Gesell­schaft« Stutt­gart gehört. Erich Hirsch wächst als unehe­li­ches Kind im Jüdi­schen Wai­sen­haus »Wil­helms­pfle­ge« in Ess­lin­gen auf. Am 10. Novem­ber 1938, nach einer Kund­ge­bung auf dem Ess­lin­ger Markt­platz, stür­men Natio­nal­so­zia­lis­ten das Haus. Bewaff­net mit Eisen­stä­ben, Äxten und Häm­mern ver­wüs­tet der Pulk das Wai­sen­haus, Tei­le der Biblio­thek wer­den ver­brannt, Wert­ge­gen­stän­de geraubt. Neun­und­sieb­zig Kin­der ste­hen »unter­des­sen ver­stört, schrei­end und wei­nend vor dem Haus im Regen und müs­sen das zer­stö­re­ri­sche Trei­ben mit­an­se­hen«. Vie­le der Schü­ler, ver­mut­lich auch Erich Hirsch, machen sich mit ihren letz­ten Hab­se­lig­kei­ten nachts zu Fuß auf den Weg nach Stutt­gart und wer­den bei Ver­wand­ten unter­ge­bracht. Erich Hirsch macht eine Gärt­ner­leh­re in Ham­burg-Ris­sen, bis er zu sei­ner Mut­ter ins Rei­chen­ber­ger Land­heim darf, um dort vor der Depor­ta­ti­on eini­ge Wochen mit ihr zu ver­brin­gen. Pau­la und Erich Hirsch wer­den wie alle Frau­en mit Kin­dern am 26. März 1942 in Biker­nie­ki, einer im Hoch­wald bei Riga gele­ge­nen Hin­rich­tungs­stät­te, erschos­sen. sm

Lil­li Zapf: Die Tübin­ger Juden. Eine Doku­men­ta­ti­on. 3.Aufl. Tübin­gen 1981. S. 198–203.