Manfred »Fred« Uhlman

Fred Uhl­man in sei­nem Ate­lier in Lon­don, um 1965

* 19. Janu­ar 1901 in Stutt­gart,
† 11. April 1985 in Lon­don

»Der Stadt Stuttgart. Trotz Allem«

Am 23. März 1933 erreicht Man­fred Uhl­man die Nach­richt, die ihn ins Exil trei­ben soll: »Wenn sie Uhl­männ­le sehen, sagen Sie ihm, dass es in Paris jetzt sehr schön ist. Sagen Sie ihm: jetzt.« Einen Tag spä­ter flüch­tet der sozi­al­de­mo­kra­tisch enga­gier­te Rechts­an­walt jüdi­scher Her­kunft über einen ein­sa­men Grenz­über­gang nach Frank­reich, um der dro­hen­den Ver­haf­tung zu ent­ge­hen. Sei­ne Erin­ne­run­gen an die unglei­che Freund­schaft mit Claus Schenk Graf von Stauf­fen­berg hält der Schrift­stel­ler spä­ter in der Erzäh­lung »Der wie­der­ge­fun­de­ne Freund« fest. Die 1960 ent­stan­de­ne Auto­bio­gra­phie Erin­ne­run­gen eines Stutt­gar­ter Juden wid­met Uhl­man »Der Stadt Stutt­gart. Trotz Allem«.

 

Wid­mung von Fred Uhl­man an die Stadt Stutt­gart in sei­ner Auto­bio­gra­phie, 1960

Uhl­man lebt nach sei­ner Exi­lie­rung in Paris und beginnt im Früh­jahr 1934 als Auto­di­dakt mit dem Malen. In Spa­ni­en lernt er die Eng­län­de­rin Dia­na Croft ken­nen, die wenig spä­ter sei­ne Frau wird, und sie­delt 1936 mit ihr nach Lon­don über. Ihr Haus wird zum Refu­gi­um für deut­sche Exil-Künst­ler. Kurz vor Beginn des Zwei­ten Welt­kriegs grün­det Uhl­man die »Free Ger­man League of Cul­tu­re – Freie Deut­sche Künst­ler­bund«, die deut­sche Flücht­lin­ge in Eng­land in einer »Anti-Nazi-Orga­ni­sa­ti­on« ver­ei­nen soll, um für Frei­heit, Kul­tur und Demo­kra­tie zu kämp­fen. Neben kom­mu­nis­tisch enga­gier­ten Mit­glie­dern tre­ten unter ande­rem auch Oskar Kokosch­ka, Ste­fan Zweig, Bert­hold Vier­tel und Max Herr­mann-Nei­ße ein. Wie vie­le ande­re in Eng­land leben­de Deut­sche wird Fred Uhl­man am 25. Juni 1940 ver­haf­tet und für sechs Mona­te in den Lagern in Ascot und auf der Isle of Man inter­niert. Zu der »außer­ge­wöhn­li­chen Ansamm­lung von Men­schen auf so engem Raum« gehört neben rund 30 Uni­ver­si­täts­do­zen­ten auch der Dada-Künst­ler Kurt Schwit­ters, mit dem Uhl­man Freund­schaft schließt. Nach dem Krieg besucht der Maler und Schrift­stel­ler sei­ne Hei­mat­stadt Stutt­gart und sucht ver­geb­lich nach den Grä­bern sei­ner Fami­lie, denn die Eltern waren nach The­re­si­en­stadt depor­tiert wor­den, »wo sie unter den übli­chen Umstän­den star­ben«. Ende 1944 warf sich Uhl­mans Schwes­ter Erna auf dem Weg nach Ausch­witz mit ihrem Baby unter einen Zug. »Als ich […] wie­der nach Stutt­gart kam, fühl­te ich mich dort voll­kom­men fremd. Die Stadt war ›wie ein gro­ßer Fried­hof im Mon­den­schein‹, ich selbst ein Geist unter Geis­tern. Die Fens­ter, die sich mir einst­mals geöff­net hat­ten, waren leer. Ich war­te­te und nie­mand kam.« sm

Fred Uhl­man: Erin­ne­run­gen eines Stutt­gar­ter Juden. Hrsg. von Man­fred Schmid Stutt­gart 1992 (Ver­öf­fent­li­chun­gen des Archivs der Stadt Stutt­gart, Bd. 56).