26.04.2021 · Andreas Keller

Zei­chen der Erinnerung

heißt die­se Gedenk­stät­te und dies wol­len wir heu­te geben:

ein Zei­chen der Erin­ne­rung für 441 jüdi­sche Mit­bür­ge­rin­nen und Mit­bür­ger, die heu­te vor 79 Jah­ren genau von hier depor­tiert wur­den – „nach Osten“ / über­setzt: in das Tran­sit­ghet­to Izbi­ca bei Lub­lin, von wo aus sie kur­ze Zeit spä­ter in den umlie­gen­den Todes­fa­bri­ken der Nazis ermor­det wurden.

Die­se Depor­ta­ti­on war die zwei­te gro­ße aus Stutt­gart, vor­aus­ge­gan­gen war am 1. Dezem­ber 1941 ein Zug nach Riga mit 1000 Opfern, ihr fol­gen soll­te eine drit­te, eben­falls mit etwa 1000 Opfern am 22. August 1942 nach The­re­si­en­stadt. Dies setz­te sich fort bis Febru­ar 1945 wie auf der Tafel am Ein­gang zu sehen ist. Beson­ders erwäh­nen möch­te ich noch den 15. März 1943: 243 Sin­ti und Roma wur­den von hier nach Ausch­witz depor­tiert und dort umgebracht.

Die­se 441 Men­schen wur­den zuvor in der „Länd­li­chen Gast­stät­te“ auf dem Kil­les­berg unter schreck­li­chen Bedin­gun­gen ab dem 24. April kaser­niert. Sie kamen aus vie­len Orten Würt­tem­bergs und Hohen­zol­lern, auch aus Baden, sogar aus Luxem­burg und Trier.

Am 26. April 1942 öff­ne­te nach der Win­ter­pau­se wie­der die Gar­ten­schau auf dem Kil­les­berg – im frü­hen Mor­gen die­ses 26.4. muss­ten die mehr als 400 Men­schen von der Länd­li­chen Gast­stät­te zum Inne­ren Nord­bahn­hof gehen.

Je län­ger ich lebe, des­to bes­ser weiß ich, was damals geschah und des­to weni­ger kann ich es begrei­fen und umso wich­ti­ger ist es mir und allen Akti­ven in der Erin­ne­rungs­ar­beit in Stutt­gart, dass die­se Gräu­el nicht ver­ges­sen wer­den und wir uns mit die­sem Wis­sen gegen jede Aus­gren­zung wen­den, ins­be­son­de­re gegen jeden Anti­se­mi­tis­mus, dem wir neu­er­dings in viel­fäl­ti­ger Form wie­der begegnen.

Die Gedenk­stät­te wur­de im Juni 2006 ein­ge­weiht und ent­stand – wie fast alles in die­sem Bereich – auf Grund bür­ger­schaft­li­chem Enga­ge­ments und gegen gro­ße Wider­stän­de, denn ursprüng­lich war auch dies Are­al Teil der Stuttgart-21-Fläche.

Vie­len Per­so­nen gebührt dafür Dank und ich erlau­be mir, aus die­sen vie­len vier Namen zu nen­nen – wis­send, dass ich vie­le ande­re auch nen­nen sollte:

Prof. Roland Oster­tag, der den Ver­ein ZdE gerün­de­te, Spen­den für die Gedenk­stät­te sam­mel­te, maß­geb­lich war beim Wett­be­werb und der Rea­li­sie­rung durch die Archi­tek­ten Anne-Chris­tin und Ole Saß.

Jupp Kle­graf, auch er ein Mann der ers­ten Stunde

und Micha­el Kienz­le von der Stif­tung Geissstraße.

Beson­de­ren Dank aber möch­te ich Frau Bea­te Mül­ler sagen, die damals die etwa 2500 Namen, die Sie hier auf der Wand der Namen sehen, recher­chiert hat und sich erneut in jüngs­ter Zeit die­ser Auf­ga­be wie­der unterzog:

Strit­tig war in der For­schung, wie­vie­le Per­so­nen am 26.04.1942 depor­tiert wur­den. Erst jüngs­te wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten, ins­be­son­de­re von Dr. Stef­fen Häns­chen, brach­te Klar­heit, dass es 441 Men­schen waren. Auf der Wand der Namen hier ste­hen „nur“ etwa 270. Heu­te hören wir die von Bea­te Mül­ler recher­chier­ten Namen der feh­len­den 173 Opfer – wir nen­nen sie bei ihrem Namen und erin­nern uns an sie.

Ich bin  Andre­as Kel­ler vom Ver­ein „Zei­chen der Erin­ne­rung“ und dan­ke sehr herz­lich für ihr Mitwirken:

Prof. Dr. Roland Mül­ler, Direk­tor des Stadt­ar­chivs Stuttgart

Muh­te­rem Aras, Prä­si­den­tin des Land­ta­ges von Baden-Württemberg

Micha­el Kashi, Vor­stands­mit­glied der Israe­li­ti­schen Reli­gi­ons­ge­mein­schaft Württemberg

Wil­ma Heu­ken – Mit­glied der Initia­ti­ve Stol­per­kunst des Hotel Sil­ber – sie hat uns schon musi­ka­lisch begrüßt und Raum zum Nach­den­ken geschaffen.

Dan­ken möch­te ich – stell­ver­tre­tend für alle Stutt­gar­ter Initia­ti­ven – Harald Stin­ge­le vom Hotel Sil­ber und ganz beson­ders Prof. Uta Kut­ter von der Aka­de­mie für gespro­che­nes Wort für die wun­der­ba­re Zusam­men­ar­beit mit den Mit­glie­dern des Spre­cher­en­sem­bles: Jule Hölz­gen, Orlan­do Schenk und Ramon Schmid – sie wer­den in 3 Abschnit­ten die Namen der Depor­tier­ten lesen und für jedes Opfer einen Stein des Geden­kens vor die Namens­wand legen

den Abschluß gestal­tet Kan­tor Nathan Gold­man von der IRGW.

All ihnen und den vie­len, die auch zur Rea­li­sie­rung Ent­schei­den­des bei­getra­gen haben, sage ich ganz herz­li­chen Dank und darf nun Herrn Prof. Mül­ler um sei­ne Wor­te bitten.