Schicksale und Lebensläufe

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Deportierte | Flüchtlinge

Theodor Rothschild
Theodor Rothschild
Theodor Rothschild
Theodor Rothschild
Theodor Rothschild
* 4. Januar 1876 in Buttenhausen,
† 10. Juli 1944 in Theresienstadt

»Ein ›Vater‹ für viele Kinder«

»[Waisen]Haus und Stadt haben ihren anheimelnden Charakter für mich verloren« – wie hätte das Resümee von Theodor Rothschild auch anders lauten sollen, nachdem >sein< Waisenhaus von einer aufgehetzten Menge überfallen wurde? Aufgestachelt durch einen Parteiredner ziehen am 10. November 1938 Hunderte von Esslinger um die Mittagszeit hinauf zum Waisenhaus. Dort treiben sie die verängstigten Kinder aus dem Speisesaal, verprügeln die Lehrer, schänden die Synagoge, plündern und zerschlagen, was ihnen in die Hände fällt. Rothschild und die Kinder müssen das Haus räumen, die Kinder kommen vorerst bei jüdischen Familien in Stuttgart unter. Die Wiedereröffnung im Februar 1939 ist nur kurzfristig, im August 1939 wird das Waisenhaus endgültig geschlossen. Seinen eigenen Kindern und einem großen Teil der Waisenkinder kann Rothschild, der von März 1940 an in Stuttgart lebt, bei der Emigration helfen. Ihm und seiner Frau gelingt die Flucht jedoch nicht mehr; am 22. August 1944 werden sie vom Stuttgarter Nordbahnhof aus nach Theresienstadt deportiert. Rothschild stirbt im Sommer 1944, seine Frau kann im Februar 1945 in die Schweiz ausreisen. Rothschilds Arbeit in Esslingen reiht sich ein in seine vielfältigen pädagogischen Aktivitäten. Seine Eltern gehörten zur jüdischen Gemeinde Buttenhausen. 1892 besucht er erfolgreich das Esslinger Lehrerseminar. Nach verschiedenen Dienststellen kommt er 1896 als Hilfslehrer ans Jüdische Waisenhaus »Wilhelmspflege« in Esslingen am Neckar. 1842 eröffnet, zog diese Einrichtung 1913 in einen größeren Neubau oberhalb der Esslinger Burg um. Rothschild übernimmt 1900 die Position des Hauptlehrers und Vorstehers. Er beschäftigt sich intensiv mit reformpädagogischen Ansätzen, die er in Esslingen, auf der Basis einer tiefen, aber nicht orthodoxen Frömmigkeit, umzusetzen versucht. Zudem verfasst er pädagogische Schriften und Lesebücher für den jüdischen Religionsunterricht. Albert Dreifuß, ehemaliger Waisenhausschüler, erinnert sich an Rothschild: »Einem Menschen seiner Aufrichtigkeit und lauteren Gesinnung bin ich selten begegnet«. hs

Theodor Rothschild. Ein jüdischer Pädagoge zwischen Achtung und Ächtung. Hrsg. vom Kulturreferat und dem Stadtmuseum Esslingen am Neckar. Plochingen 1998.

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