Schicksale und Lebensläufe

Home Tatort Nordbahnhof Chronologie 1933-1945 Juden in Württemberg Schicksale und Lebensläufe Die Deportierten Projekt Zeichen der Erinnerung Literatur Links

Deportierte | Flüchtlinge

Helmut Hirsch
Helmut Hirsch
* 27. Januar 1916 in Stuttgart,
† 4. Juni 1937 in Berlin-Plötzensee

»Hingerichtet mit dem Fallbeil«

»Der Tod ist das letzte und die einzige Wahrheit, die es gibt. Erst, wenn man den Tod ganz in sich gespürt hat in allem Ernst, weiß man, was Leben ist.« Dies schreibt der erst einundzwanzigjährige Helmut Hirsch in einem seiner letzten Briefe an seine Eltern am 20. März 1937 – nur wenige Wochen vor seiner Hinrichtung.

Hirsch wird in Stuttgart als Sohn einer bürgerlichen Familie jüdischer Abstammung geboren. Da der Vater in den Vereinigten Staaten gearbeitet hat, erhält die Familie die amerikanische Staatsbürgerschaft, welche jedoch aus politischen Gründen nach 1919 nicht mehr verlängert wird. Schon zu Schulzeiten wird er Mitglied in der Deutschen Jungenschaft – der »d.j. 1.11« – einer Abspaltung der deutschen Freischar. Diese Splittergruppe will die Inhalte der deutschen Jugendbewegung erneuern mit dem Ziel eines so genannten »Jungenstaates«. Nach dem Abitur am Stuttgarter Dillmann-Realgymnasium emigriert er 1935 nach Prag, um Architektur zu studieren. Dort tritt er in Verbindungen mit der »Schwarzen Front«. Otto Strasser hatte diese Gruppierung formiert, da er in der NSDAP, in der er zuvor selbst Mitglied war, immer weniger das sozialistische Element des Parteinamens berücksichtigt sah. Im Auftrag dieser Organisation versendet er Rundbriefe nach Deutschland mit der Aufforderung zum Widerstand. Im Jahr 1936 wird Hirsch von der »Schwarzen Front« zu einem symbolischen Bombenanschlag auf dem Aufmarschfeld der NSDAP-Reichsparteitage in Nürnberg überredet. Auf dem Weg dorthin wird er am 20. Dezember 1936 in Stuttgart verhaftet – verraten aus den eigenen Reihen. Sein Fall erregt international Aufmerksamkeit, was dazu führt, dass Hirsch seine amerikanische Staatsbürgerschaft zurückerhält. Doch auch die halbherzigen diplomatischen Bemühungen der USA führen nicht zu seiner Begnadigung. Am 4. Juni 1937 wird Helmut Hirsch in Berlin-Plötzensee mit dem Fallbeil »wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens unter erschwerenden Umständen« (Gerichtsurteil vom 8. März 1937) hingerichtet. Die deutsche Presse stellt ihn in den folgenden Tagen als Schwerverbrecher dar, während ihn die internationalen Medien als »Märtyrer« bezeichnen, der »mit seinem unschuldig vergossenen Blut für die Sache der Freiheit und Menschlichkeit« zeugte. kn

Bernd Burkhardt: Helmut Hirsch. Ein Aktivist der bündischen Jugend. In: Der Widerstand im deutschen Südwesten 1933–1945. Hrsg. von Michael Bosch und Wolfgang Niess. Stuttgart u. a. 1984 (Schriften zur politischen Landeskunde Baden-Württembergs, Bd. 10). S. 318–329.

Zurück zur Übersicht