Schicksale und Lebensläufe

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Deportierte | Flüchtlinge

Inge Auerbacher
Inge Auerbacher
Inge Auerbacher
Inge Auerbacher
* 31. Dezember 1934 in Kippenheim bei Freiburg i. Br.

Ich bin ein Stern

Am 9. November 1938, der so genannten »Reichspogromnacht«, wird Inge Auerbachers Großvater nach dem Morgengebet in der Synagoge verhaftet. Zusammen mit ihrem Vater, der im Ersten Weltkrieg schwer verwundet wurde und für seinen Einsatz das Eiserne Kreuz erhielt, werden beide ins Konzentrationslager Dachau gebracht und einige Wochen später wieder freigelassen. Die Auerbachers wollen auswandern, verkaufen ihr Haus in Kippenheim und ziehen im Jahr 1939 zu den Großeltern nach Jebenhausen bei Göppingen. Wie fast alle württembergischen Kinder muss die Sechsjährige die jüdische Schule in der Hospitalstraße in Stuttgart besuchen und jeden Tag die weite Fahrt aus Göppingen auf sich nehmen. Mit dem Beginn der Deportationen wird die jüdische Schule aufgelöst. Im Dezember 1941 wird Inge Auerbachers Großmutter nach Riga deportiert, ihr Haus wird enteignet und Inge Auerbacher mit ihren Eltern in ein »Judenhaus« nach Göppingen geschickt. Am 22. August 1942 wird die siebenjährige Inge mit ihren Eltern zum Sammelplatz in Göppingen gebracht und erhält die Transport-Nummer XIII-1-408. Zwei weitere Nächte werden sie in der Sammelhalle am Stuttgarter Killesberg interniert und zwei Tage später nach Theresienstadt deportiert. In ihrer Autobiographie Ich bin ein Stern erzählt Inge Auerbacher von der schrecklichen Zeit im Lager, von der Verzweiflung und der ständigen Angst. Am 8. Mai 1945 werden die Überlebenden in Theresienstadt von der sowjetischen Armee befreit. Inge Auerbacher wird zusammen mit ihren Eltern zwei Monate später nach Stuttgart zurückgebracht. Sie hat ihre Großmutter und dreizehn Familienangehörige im Holocaust verloren. Im Mai 1946 emigrieren die Eltern mit ihrer Tochter nach New York, wo Inge Auerbacher heute noch lebt. Auf Einladung der Stadt besucht sie im Jahre 2001 Stuttgart und lernt Garry Fabian kennen, der als Kind in der Zeit von 1942 bis 1945 ebenfalls in Theresienstadt interniert war. Sie war bis zu ihrer Begegnung davon ausgegangen, das einzige Kind aus Württemberg zu sein, das im Konzentrationslager Theresienstadt überlebt hat. 2005 wird Inge Auerbacher die Ehrendoktorwürde der Long Island University für ihre in mehrere Sprachen übersetzten Erinnerungen Ich bin ein Stern verliehen. cwt

Inge Auerbacher: Ich bin ein Stern. Weinheim und Basel 1990. http://www.ingeauerbacher.com

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